konTAKTaufnahme

Experimentierfreude gepaart mit musikalischem Gespür, das bot das Jahreskonzert der Trachtenkapelle Riezlern im Hirschegger Walserhaus. Neunzig Minuten Blasmusik vom Feinsten – unter dem alles überspannenden Motto „Kontaktaufnahme“. Ohne den typischen blasmusikalischen Marsch, dafür aber unterschiedlichsten instrumentalen Herausforderungen in Sachen Klassik, Filmmusik und Pop. Einmal mehr eine Demonstration dessen, zu was Blasmusik-Ensembles abseits ihrer traditionellen Literatur zu leisten imstande sind.

Unter dem Dirigentenstab von Kapellmeisterin Katrin Berchtold fanden die Musikanten zu einer bestens aufeinander abgestimmten Einheit zusammen. Keine überbordenden Soli, dafür aber fein zueinander findende Register machten das Konzert zu einem Hörerlebnis. Beim „Aida“-Triumphmarsch legten sich die gut sichtbar über den Köpfen der Zuhörer postierten Trompeten mächtig ins Zeug, bei der „Klangfusion“von Armin Kofler gesellten sich Klarinetten sowie Tenor- und Flügelhörner zu den thematischen Melodiegebern.

„Zurück in die Zukunft“von Alan Silvestri war geprägt vom taktvollen voluminösen Klangbild des gesamten Blasorchesters. Fetzig spritzig reihte sich die Interpretation von Rainhard Fendrichs besten Stücken in ein mit Höhepunkten gespicktes Programm ein. Dazu Franz Lehárs Operetten-Auszug aus „Wiener Frauen“mit tänzelnd verspielten Klangbildern, von der Trachtenkapelle einfühlsam einnehmend interpretiert.

Katrin Berchtold geizte mit ihrer Kapelle nicht mit Schwierigkeitsgraden. Was die Übergänge zwischen den einzelnen Stücken betrifft, zeigte sich die Trachtenkapelle besonders ideenreich. Mit Verzicht auf allzu lange verbale Erklärungen der Kompositionen, dafür aber mit kurzweilig eigensinnigen theatralischen und videogestützten Einlagen. Die Protagonisten der gelungenen Vorspänne: Helmut Fritz, Lisa Schüttler – und Kapellmeisterin Katrin Berchtold selber, die im Datingportal den einzig zu ihr passenden Franz Lehár leider schon an die „Wiener Frauen“abwandern sah.

Einladend auch die Bühnengestaltung. Statt „auf“der Bühne im Walserhaus gruppierte sich die Trachtenkapelle leicht erhöht vor dieser. Damit gelang eine greifbar spürbare Nähe zum Publikum, das damit das tongewaltige Konzert quasi im Halbkreis umschließend ganz in seiner Mitte erleben konnte. Eine wahrlich ansprechende „Kontaktaufnahme“.

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